Dein Kopf sieht gerade aus wie ein Browser mit 47 offenen Tabs, oder? Drei angefangene Projekte, fünf gute Ideen, null Plan, wo du weitermachen sollst. Und jedes Mal, wenn du versuchst, „einfach mal anzufangen“, landet alles im Nirgendwo, weil zwischen „Idee haben“ und „Ding fertig machen“ ein schwarzes Loch klafft, in dem alle guten Vorsätze verschwinden.
Ich überbringe dir gute Nachrichten! Du brauchst keinen neurotypischen Projektplan, bei dem du dir Gantt-Charts ausdruckst und To-Do-Listen nach Priorität sortierst, während klassische Musik läuft. Du brauchst ein Rezept, das versteht, wie dein Gehirn tickt. Eines, das damit rechnet, dass du zwischendurch drei Tage verschwindest, dass du Belohnungen brauchst wie andere Menschen Sauerstoff, und dass „einfach dranbleiben“ ungefähr so funktioniert wie „einfach mal fliegen“.
Also, hier kommt dein absurd detailliertes Rezept für Ordnung im Kopf. Sieben Schritte. Von Chaos zu Klarheit. Los geht’s.
Schritt 1: Brain-Dump ohne Bremse (15–20 Minuten, Timer ist Pflicht)

Stell dir vor, dein Kopf ist ein überfüllter Schrank. Wenn du die Tür öffnest, fällt dir alles auf einmal entgegen: alte Socken, wichtige Dokumente, drei Dinge, die du eigentlich letzte Woche machen wolltest, und ein Haufen Zeug, von dem du nicht mal mehr weißt, warum es da drin ist. Genau so funktioniert dein Arbeitsgedächtnis gerade. Und solange alles da drin rumfliegt, kannst du nichts sortieren.
Deshalb kippt du jetzt erstmal alles auf den Boden.
Nimm ein leeres Blatt Papier, ein Google Doc, ein Notion-Board, ein beschlagenes Badezimmerfenster – egal (Extrapunkte, wenn es die dreckige Heckscheibe deines Autos ist). Hauptsache, du hast eine Fläche. Stell dir einen Timer auf 15 Minuten und schreib alles auf, was dir gerade durch den Kopf geht. Alles. Ohne Filter. Ohne Bewertung. Ohne „ist das wichtig genug?“.
Das kann sein: „Wohnung aufräumen“, „Buch schreiben“, „Freundin zurückrufen“, „Warum ist mein WLAN so langsam?“, „Neue Sportschuhe kaufen“, „Steuererklärung“, „Newsletter verschicken“, „Geburtstagsgeschenk für Mama“, „Warum hab ich eigentlich drei angefangene Projekte?“, „Muss mal wieder zum Zahnarzt“.
Stichworte reichen. Keine ganzen Sätze. Keine Erklärungen. Einfach nur: raus damit.
Wichtig: Du darfst während dieser 15 Minuten NICHTS bewerten. Nicht „zu groß“, nicht „zu klein“, nicht „macht das überhaupt Sinn?“. Das kommt später. Jetzt geht’s nur darum, dass dein Kopf endlich Platz hat, weil alles draußen ist. Und scheiß auf Schönschrift.
Dein Arbeitsgedächtnis ist kein Tetris-Profi. Wenn du versuchst, alle Teile gleichzeitig in der Luft zu halten, fällt am Ende alles auf deinen Fuß. Also: raus damit. Timer läuft.
(PS.: Ich sehe dich! Mach es jetzt. Echt. Es tut sooo gut!)
Schritt 2: Cluster & Themen-Töpfe (10–15 Minuten, und ja, das bringt sofort Ruhe)

Jetzt liegt alles vor dir. Ein großer Haufen Chaos. Und dein Gehirn fängt wahrscheinlich schon an zu hyperventilieren, weil es denkt: „Oh Gott, ich muss das ALLES machen?“
Nein. Musst du nicht. Du musst nur sortieren.
Menschen mit ADHS-Gehirn haben oft ein Problem mit Kategorisierung. Das aber nicht, weil sie es nicht können. Vielmehr, weil alles gleichzeitig gleich wichtig erscheint. Weißt du, was der Trick ist? Dein Gehirn liebt Muster. Und sobald du anfängst zu “clustern” (also nach ähnlichen Mustern sortieren), wird aus dem Chaos plötzlich eine Landkarte.
Nimm dir jetzt 3 bis 6 (imaginäre!) Töpfe. Nicht mehr. Mehr als 6 Töpfe = neues Chaos.
Zum Beispiel:
- Alltag (Haushalt, Einkäufe, Termine)
- Kreatives/Projekte (Buch schreiben, Umzug planen, Website bauen)
- Menschen (Anrufe, Nachrichten, Geschenke)
- Geld/Papierkram (Steuern, Rechnungen, Verträge)
- Gesundheit (Sport, Arzttermine, Therapie)
- Tech/Nerv-Kram (WLAN reparieren, Handy-Speicher leeren, Passwörter sortieren)
Jetzt gehst du durch deinen Brain-Dump und ziehst Linien, malst farbig an, schreibst Buchstaben daneben, schneidest aus und legst auf Haufen, ist Bumsegal. Hauptsache, jedes Teil landet in einem “Topf”.
„Wohnung aufräumen“ → Alltag. „Buch schreiben“ → Kreatives. „Freundin zurückrufen“ → Menschen. „Steuererklärung“ → Geld. „WLAN langsam“ → Tech.
Und plötzlich merkst du: Ah, die Hälfte ist eigentlich Tech-Kram. Oder: Alles, was mit „Menschen“ zu tun hat, kann ich in einem Rutsch abarbeiten.
Das ist der Moment, wo dein Nervensystem das erste Mal durchatmet. Weil aus „alles gleichzeitig“ plötzlich „ah, da sind ja Gruppen“ wird.
Nicht zu fein zerteilen. 3 bis 6 Töpfe!l Mehr nicht. Du baust hier eine Landkarte, kein Archiv.
Schritt 3: Zielbild & Nicht-Ziele (10 Minuten, und hier wird’s konkret)

Jetzt kommt der Teil, den die meisten Ratgeber überspringen (dieser nicht), weil sie denken, „Ziel setzen“ ist selbsterklärend. Ist es nicht. Vor allem nicht, wenn dein Gehirn gerne in 17 Richtungen gleichzeitig rennt.
Du brauchst zwei Dinge: Ein Zielbild, das so konkret ist, dass du hinterher sagen kannst „fertig“ oder „nicht fertig“. Und eine Liste von Nicht-Zielen, weil Fokus auch durch Weglassen entsteht.
Stell dir vor, du willst dein Zimmer renovieren. „Zimmer renovieren“ ist kein Ziel. Das ist eine Wolke. Ein Ziel wäre: „In 6 Wochen sind die Wände gestrichen (weiß), das neue Regal steht (von IKEA, das mit den drei Fächern), und die alten Möbel sind weg (auf Kleinanzeigen verschenkt).“
Merkst du den Unterschied? Das eine ist ein Gefühl, das andere ist ein Zustand, den du fotografieren könntest.
Jetzt schreibst du dein Zielbild auf. So konkret uns messbar wie möglich. Wie sieht es „fertig“ aus?
Beispiele:
- „In 4 Wochen ist meine Website live: Startseite, Über-mich-Seite, Kontaktformular funktioniert.“
- „In 8 Wochen ist das erste Kapitel meines Buchs fertig geschrieben (3000 Wörter, grob überarbeitet) und drei Leute haben es gelesen.“
- „In 3 Wochen ist der Umzugskarton-Wahnsinn vorbei: Alle Kartons sind ausgepackt, Küche ist eingeräumt, Bett steht.“
Und jetzt (und das ist fast wichtiger!) schreibst du deine Nicht-Ziele auf. Das sind die Dinge, die du NICHT machst. Weil dein Gehirn sonst denkt: „Aber ich könnte doch auch noch…“
Beispiel Zimmer renovieren:
- Kein neuer Bodenbelag (kommt später)
- Keine neuen Vorhänge (die alten bleiben erstmal)
- Keine Deko-Projekte (Pinterest bleibt zu)
Beispiel Website:
- Kein neues Logo
- Kein Blog in Runde 1
- Keine Newsletter-Integration (kommt später)
Warum das wichtig ist? Weil dein Nervensystem klare Kanten liebt. „Das ist drin“ und „das ist draußen“ gibt deinem Gehirn Halt. Ohne Nicht-Ziele dehnt sich jedes Projekt bis ins Unendliche aus.
Ergebnis ist nicht gleich Tätigkeit. Nicht „Ich arbeite am Zimmer“. Sondern: „Das Zimmer ist fertig.“ Konkret. Testbar. Fertig oder nicht fertig.
Schritt 4: Den Rahmen definieren (10 Minuten, und hier kommt die Realität ins Spiel)

Hier wird’s eventuell unbequem, aber es ist notwendig.
Du brauchst Grenzen. Nicht, weil Grenzen „diszipliniert“ sind, sondern weil dein Nervensystem ohne Grenzen im Freien Fall ist. Unbegrenzte Projekte sind wie offene Tabs, die niemals schließen. Sie fressen Energie, auch wenn du gerade nicht an ihnen arbeitest.
Also definierst du jetzt drei Dinge:
1. Zeit-Budget pro Woche
Wie viel Zeit hast du realistisch für dieses Projekt? Nicht „wenn alles perfekt läuft“. Sondern: wenn das Leben passiert, wie viel Zeit bleibt dann?
Zum Beispiel: „Ich hab realistisch 5 Stunden pro Woche. Das sind vier 75-Minuten-Blöcke.“
Oder: „Ich hab nur am Wochenende Zeit. Samstag vormittag, 2 Stunden, mehr ist nicht drin.“
Schreib das auf. Und dann (und das ist wichtig) verteidigst du diese Zeit wie ein Höhlenbewohner sein Feuer. Das ist deine Projektzeit. Nicht „wenn noch Zeit übrig ist“. Sondern: geblockt. Im Kalender. Sichtbar. (Machen. Jetzt! Super!!!)
2. Ressourcen
Was brauchst du? Welche Tools, welche Menschen, welches Geld?
Beispiel Zimmer renovieren: „Farbe von Bauhaus (40 Euro), zwei Freunde zum Möbelschleppen, einen Samstag ohne andere Termine.“
Beispiel Website: „WordPress, ein Theme (kostenlos oder 50 Euro), ein Kumpel, der mal drüberliest.“
Beispiel Buch: „Google Docs, Ruhe, Kopfhörer mit Noise-Cancelling, ein Schreibbuddy zum wöchentlichen Check-in.“
Was hast du schon? Was fehlt? Was ist realistisch?
3. Deadline
Jetzt kommt der Teil, den niemand gerne hört: Du brauchst ein festes Datum. Kein „irgendwann im November“. Sondern: „21. November 2025“.
Warum? Weil „irgendwann“ für ADHS-Gehirne dasselbe bedeutet wie „nie“. Ohne Deadline ist alles optional. Mit Deadline wird’s real.
Und hier ist der Trick: Mach die Deadline sichtbar. Nicht nur in deinem Kopf. Nicht nur in deiner App. Sondern: auf einem Post-it am Monitor. Im Kalender mit fetter Schrift. Auf dem Whiteboard. Extended Version: In deiner Community, oder vor Freunden, Familie, dem Müllmann. Wenn’s nirgends steht und es keiner hört, existiert’s nicht.
Beispiel:
- Deadline: 21. November 2025
- Zeit-Budget: 4 × 75 Minuten pro Woche
- Ressourcen: WordPress, RankMath-Plugin, ein Buddy zum Gegenlesen, 0 Euro Extra-Budget
Und jetzt hast du Grenzen. Bitte sieh sie als Leitplanken, nicht als Gefängnis. Dein Nervensystem kann sich daran festhalten, statt im Nebel zu schweben.
Schritt 5: Feedback-System statt Belohnungs-Zwang (5–10 Minuten, und hier wird’s ehrlich)
Du weißt es selbst: ADHS-Gehirne laufen nicht auf Willenskraft. Sie laufen auf Dopamin, Interesse und Begeisterung. Aber – und hier mein kleiner Plot-Twist – das heißt nicht, dass du dir jetzt Gummibärchen hinlegen musst für jede erledigte Aufgabe.
Klassische Belohnungssysteme sind oft manipulativ und fühlen sich an wie Kindergarten. „Gönn dir nach dem Aufräumen ein Bad!“ – Äh, warum? Ich bin erwachsen, hab Geld auf dem Konto, und wenn ich Lust auf ein Bad habe, nehme ich eins.
Was wirklich funktioniert, ist kein Belohnungssystem, sondern ein Feedback-System. Der Unterschied ist, dass Feedback deinem Gehirn sagt: „Yo, da ist was passiert. Mission accomplished.“ Mehr nicht. Neutral. Ehrlich. Ohne den manipulativen „Wenn-dann“-Mist.
Meilensteine + Feedback-Momente
Du brauchst 3 bis 5 Meilensteine. Das sind die Momente, wo du visuell, händisch oder emotional merkst: „Ha! Ein Stück ist fertig!“
Das kann sein:
- Ein Zettel, der vom Whiteboard ins Glas wandert
- Ein Screenshot von der fertigen Website, den du in einen „Fertig“-Ordner packst
- Ein Post-it, das du zerknüllst und in hohem Bogen in den Papierkorb wirfst
- Eine Sprachnachricht an einen Freund: „Alter, ich hab’s geschafft!“
- Ein Foto vom fertigen Zimmer, das du dir selbst schickst
Beispiel Zimmer renovieren:
- Meilenstein 1: Wände sind gestrichen → Feedback: Foto machen, an beste Freundin schicken, „Guck mal!“
- Meilenstein 2: Regal steht und ist eingeräumt → Feedback: Zettel „Regal“ vom Board ins Glas
- Meilenstein 3: Zimmer ist komplett fertig → Feedback: Freunde einladen, Zimmer zeigen, spüren, dass es fertig ist
Beispiel Website:
- M1: Hero-Sektion steht → Feedback: Screenshot machen, in „Fertig“-Ordner packen
- M2: Drei Leute haben die Seite gesehen → Feedback: Ihre Nachrichten speichern, nochmal durchlesen
- M3: Website ist live → Feedback: URL in den Kalender schreiben mit Datum
Der Trick ist nicht die Belohnung. Der Trick ist das Gefühl, dass was passiert ist. Dass dein Gehirn eine klare Rückmeldung kriegt: „Check, wieder was geschafft.“ Gerade die Gefühle, die Dinge in die auslösen werden, haben eine beträchtliche Auswirkung auf die für die Aufgabe benötigte Dopaminausschüttung. Ich habe hier etwas zum emotionalen Planen geschrieben.
Manchmal ist dieses Feedback wichtiger als das Ergebnis selbst. Geputzte Fenster sind mir relativ egal, aber der Moment, wo der Zettel „Fenster putzen“ ins Glas wandert? Der fühlt sich verdammt gut an.
(Wenn du mehr darüber wissen willst, warum Belohnungssysteme oft nicht funktionieren und Feedback-Systeme schon, lies hier: Vergiss Belohnungen: Mein ehrliches Feedback-System, das wirklich funktioniert)
Reality-Anchor einbauen

Und jetzt kommt der Teil, den niemand dir sagt (oder nicht wahr haben will): Du wirst Pausen haben. Nicht, weil du faul bist oder „nicht genug willst“, sondern weil das Leben passiert. Oder weil dein Gehirn plötzlich entscheidet: „Nope, heute nicht.“
Also baust du dir jetzt einen Realitäts-Anker ein. Das ist deine Notfall-Regel für den Wiedereinstieg. Dies machst du auch am besten schriftlich, sichtbar (!) und sogar öffentlich (wenn du das möchtest).
Beispiel: „Wenn ich 2 Tage Pause gemacht habe: 10-Minuten-Wiedereinstieg reicht. Kein Nachholen. Kein Drama. Einfach wieder andocken.“
Das bedeutet: Du machst nicht „die ganze Woche nach“, du machst nicht „drei Stunden am Stück, um aufzuholen“. Du machst 10 Minuten. Das reicht. Dranbleiben und wieder Einsteigen sind viel wichtiger als Perfektionismus, und sich selbst zerfleischen, das weißt du, bringt dich auch nicht weiter. Hopp, wieder rauf aufs Pferd.
Belohnung + Fortschritt = Dranbleiben. Das ist die Formel. Lass das mit der Willenskraft und dem „einfach durchziehen“. Designe dir stattdessen eine Dopamin freundliches Setup.
Schritt 6: Roadmap – oder wie du aus „riesiges Ding“ ein „viele kleine Schritte“ machst (25–40 Minuten, und hier wird’s strukturiert)

Jetzt kommt der Moment, wo aus dem Nebel plötzlich ein Weg wird.
Große Projekte scheitern nicht, weil du sie nicht willst. Sie scheitern, weil sie zu groß sind. „Buch schreiben“ ist kein Task. „Zimmer renovieren“ ist kein Task. „Website bauen“ ist kein Task. Das sind Wolken. Und Wolken kann man nicht abarbeiten.
Also machst du jetzt was Magisches: Du zerlegst das große Ding in viele kleine Schritte. Und zwar so klein, dass du denkst: „Okay, das könnte ich jetzt sofort machen.“
Das System: Phase → Baustein → Arbeitspaket
Stell dir vor, dein Projekt ist ein Haus. Phasen sind die Stockwerke. Bausteine sind die Räume. Arbeitspakete sind die einzelnen Möbelstücke, die du reinstellst.
Lass uns das am Beispiel „Website bauen“ durchspielen:
Phase A: Vorbereitung (das Fundament)
Hier sammelst du alles, was du brauchst, bevor du anfängst.
Baustein: Texte vorbereiten
- Arbeitspaket: Über-mich-Text schreiben (3 Varianten, jeweils 5 Sätze) – 20 Minuten
- Arbeitspaket: Startseiten-Hook überlegen (10 verschiedene erste Sätze) – 15 Minuten
Baustein: Bilder sammeln
- Arbeitspaket: 5 Fotos von mir raussuchen (Handy durchgehen) – 15 Minuten
- Arbeitspaket: Auf Unsplash nach passenden Bildern suchen – 20 Minuten
Phase B: Aufbau (das Haus entsteht)
Hier baust du die Website tatsächlich.
Baustein: Startseite bauen
- Arbeitspaket: WordPress-Theme installieren und aktivieren – 10 Minuten
- Arbeitspaket: Startseiten-Template auswählen – 15 Minuten
- Arbeitspaket: Hero-Bereich bauen (Überschrift + Bild) – 25 Minuten
- Arbeitspaket: Über-mich-Teaser einfügen – 15 Minuten
Baustein: Über-mich-Seite
- Arbeitspaket: Seite anlegen, Text einfügen – 20 Minuten
- Arbeitspaket: Foto einbauen, Position anpassen – 15 Minuten
Phase C: Feinschliff (die Details)
Hier machst du alles schön und funktional.
Baustein: SEO-Basics
- Arbeitspaket: Seitentitel und Meta-Beschreibungen schreiben – 20 Minuten
- Arbeitspaket: Alt-Texte für alle Bilder – 15 Minuten
Baustein: Mobile-Check
- Arbeitspaket: Website auf Handy durchklicken, Screenshots machen – 15 Minuten
- Arbeitspaket: Drei Dinge anpassen, die komisch aussehen – 25 Minuten
Phase D: Live gehen (die Welt darf’s sehen)
Baustein: Launch
- Arbeitspaket: Website auf „öffentlich“ stellen – 5 Minuten
- Arbeitspaket: Drei Leuten den Link schicken – 10 Minuten
Merkst du, was passiert ist? Aus „Website bauen“ (= riesige Wolke) sind plötzlich 15 kleine Schritte geworden, von denen jeder einzelne zwischen 5 und 25 Minuten dauert.
Die goldene Regel: Kein Arbeitspaket über 30 Minuten.
Wenn ein Task länger dauert, ist er zu groß. Dann halbierst du ihn. „Hero-Sektion komplett fertig“ (90 Minuten) wird zu:
- Hero-Text schreiben (25 Min.)
- Hero-Bild auswählen (10 Min.)
- Hero-Layout bauen (30 Min.)
Warum? Weil 30 Minuten die magische Grenze sind, wo dein Gehirn noch denkt: „Okay, das schaff ich jetzt.“ Alles drüber fühlt sich an wie ein Marathon, dein Gehirn findet sofort Ausreden (Jetzt lohnt es sich eh nicht mehr, kennste?).
Schritt 7: Weekly CEO-Date & Reality-Anchors (20–30 Minuten pro Woche, und das ist deine Schaltzentrale)

Jetzt hast du einen Plan. Glückwunsch! Aber hier ist eine weitere unangenehme Wahrheit: Kein Plan überlebt den Kontakt mit der Realität. Das Leben passiert. Dein Gehirn entscheidet plötzlich, dass es lieber drei Tage lang YouTube-Videos über Tiefseefische schauen will. Oder du merkst nach zwei Wochen: „Moment, das funktioniert überhaupt nicht so.“
Deshalb brauchst du eine Schaltzentrale. Einen festen Termin, wo du nicht am Projekt arbeitest, sondern aufs Projekt draufschaust. Von oben. Wie ein CEO.
Das Weekly CEO-Date
Das ist ein fixer Termin in deinem Kalender. Jede Woche. Gleicher Tag, gleiche Uhrzeit (idealerweise). Zum Beispiel: Montag, 10 Uhr. Oder Sonntag, 18 Uhr. Oder Mittwoch, vor dem Mittagessen.
20 bis 30 Minuten. Nicht mehr.
Deine Agenda könnte so aussehen:
1. Was ist fertig?
Du schaust auf die letzte Woche und zählst auf, was du geschafft hast. Auch die kleinen Dinge. Besonders die kleinen Dinge. „Hero-Text geschrieben“ zählt. „10 Minuten drangesessen, auch wenn nix Fertiges rausgekommen ist“ zählt auch.
Dein Gehirn verdient und braucht Beweise, dass du vorankommst. Sonst fühlt sich alles an wie Stillstand, auch wenn du eigentlich was getan hast.
2. Was blockiert?
Gibt’s was, das dich aufhält? Nicht philosophisch. Konkret. „Ich weiß nicht, wie ich das Kontaktformular einbaue.“ Oder: „Ich hab keine Lust auf diesen einen Task.“
Dann machst du ein Mini-Experiment: Was könntest du diese Woche ausprobieren, um das Hindernis kleiner zu machen? Nicht „Problem lösen“. Sondern: „Mini-Experiment starten.“
Beispiel: „Ich google 10 Minuten nach Kontaktformular-Tutorials.“ Oder: „Ich frag in einer Facebook-Gruppe, ob jemand Tipps hat.“ Oder: „Ich überspringe den Task erstmal und mache was anderes.“
3. Nächste 2–3 Arbeitspakete einplanen
Du suchst dir aus deiner Roadmap die nächsten 2 bis 3 Arbeitspakete raus und trägst sie in deinen Kalender ein. Mit Uhrzeit. Mit voraussichtlicher oder verfügbarer Dauer.
Nicht: „Diese Woche mach ich irgendwann…“
Sondern: „Dienstag, 10 Uhr, 25 Minuten: Hero-Text schreiben.“
Warum? Weil „irgendwann“ nicht existiert.
Reality-Anchors: Deine Notfall-Regeln
Und jetzt baust du dir Notfall-Regeln ein. Das sind die Sachen, die du VORHER festlegst, nicht wenn’s brennt.
Reality-Anchor 1: Wenn >2 Wochen Stau
Wenn du zwei Wochen lang nicht vorangekommen bist, ist das Projekt zu groß. Dann killst du ein Feature. Streichst einen Baustein. Machst es kleiner.
Beispiel: „Die Über-mich-Seite kommt später. Erstmal nur Startseite + Kontaktformular.“
Lieber was Fertiges als was Halbgares.
Reality-Anchor 2: Wenn ein Task >3× verschoben wird
Wenn du einen Task dreimal verschiebst, ist er zu groß oder zu unklar. Dann schneidest du ihn neu. Machst ihn kleiner. Oder wirfst ihn raus.
Beispiel: „Hero-Sektion komplett bauen“ wird zu „Hero-Überschrift schreiben. Nur die Überschrift. Rest kommt später.“
Beließ dich dazu auch mal zum Prinzip des MVP.
Reality-Anchor 3: Wenn alles zu viel wird
10-Minuten-Wiedereinstieg. Nicht „alles nachholen“. Nicht „die ganze Woche aufholen“. Einfach 10 Minuten. Das reicht, um wieder anzudocken.
Die Wahrheit über das CEO-Date
Die meisten Leute skippen das CEO-Date nach zwei Wochen. Weil’s gerade „eh gut läuft“. Oder weil sie denken: „Brauch ich nicht, ich weiß ja, was zu tun ist.“
Das ist der Moment, wo alles kippt. Wenn’s gut läuft, dann WEIL du das machst, nicht trotzdem. Das ist wichtig, auch wenn’s nervig klingen mag.
Das CEO-Date ist keine Deko. Das ist die Schaltzentrale. Hier passiert die Kurskorrektur, bevor du gegen die Wand fährst. Hier merkst du, wenn ein Task zu groß ist. Hier merkst du, wenn du seit zwei Wochen im Kreis läufst.
Regelmäßige Mini-Korrekturen statt dramatischer Rettungsaktionen. Das ist das Geheimnis.
Was jetzt?
Du hast jetzt ein Rezept. Kein neurotypisches „einfach mal machen“, sondern eine Anleitung, die versteht, wie dein Gehirn funktioniert.
Das Wichtigste: Fang klein an. Nicht mit dem ganzen Projekt. Nicht mit der perfekten Roadmap. Bitte fang mit Schritt 1 an: Brain-Dump. 15 Minuten. Timer. Los.
Und dann – und das ist fast wichtiger – trag dein CEO-Date in den Kalender ein. Fester Termin. Nicht verschiebbar. Das ist deine Schaltzentrale.
Und DANN: Machen. Nicht lesen. Machen. Druck dir das zur Not aus und ab geht die Luzie! Schreib mir, wie es läuft, ich freue mich drauf!



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